Ratgeber · 7 Min.

Wärmepumpe im Altbau: Reichen Ihre Heizkörper?

10. September 2026

Eine der häufigsten Fragen, die wir in Berlin hören: Funktioniert eine Wärmepumpe überhaupt in meinem Altbau, mit den Heizkörpern, die hier seit Jahrzehnten hängen? Die ehrliche Antwort lautet: oft ja, aber nicht immer ohne Anpassungen. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Temperatur, die Ihre Heizkörper an kalten Tagen brauchen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Begriffe, zeigt einen einfachen Test, den Sie selbst machen können, und nennt die Maßnahmen, mit denen ein Altbau wärmepumpentauglich wird.

Die kurze Antwort

Eine Wärmepumpe arbeitet effizient, solange die Vorlauftemperatur bei etwa 55 °C oder darunter liegt. Moderne Geräte mit dem Kältemittel R290 erreichen auch 70 bis 75 °C, allerdings mit geringerer Effizienz. Im Altbau mit Heizkörpern liegt die Jahresarbeitszahl einer Luft-Wasser-Wärmepumpe meist bei 2,8 bis 3,4. Ob Ihr Haus mit 55 °C auskommt, lässt sich mit einer Heizlastberechnung und einem einfachen Test im Winter herausfinden.

Die wichtigsten Begriffe

Vorlauftemperatur

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Heizung zu den Heizkörpern fließt. Ein alter Gaskessel liefert oft 70 °C und mehr, weil das für ihn keinen großen Unterschied macht. Für eine Wärmepumpe ist es dagegen entscheidend: Je höher die Temperatur, die sie erzeugen muss, desto mehr Strom braucht sie für dieselbe Wärmemenge.

Jahresarbeitszahl (JAZ)

Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Eine JAZ von 3 bedeutet: aus 1 kWh Strom werden 3 kWh Wärme. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Durchschnitt 3,0 bis 4,0. Im Altbau mit Heizkörpern liegen sie eher bei 2,8 bis 3,4, mit Fußbodenheizung bei 3,5 bis 4,5. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdwärme kommen auf 4,0 bis 5,0.

Heizlast

Die Heizlast ist die Wärmeleistung, die ein Gebäude am kältesten Tag des Jahres braucht, um warm zu bleiben. Sie wird in Watt je Quadratmeter angegeben. Als grobe Orientierung: Neubauten liegen bei 30 bis 50 W/m², sanierte Häuser bei 60 bis 80 W/m², teilsanierte bei 80 bis 110 W/m² und unsanierte Altbauten bei 110 bis 150 W/m². Je niedriger die Heizlast, desto niedriger kann die Vorlauftemperatur sein.

Bivalenzpunkt

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der eine Wärmepumpe die Heizlast nicht mehr allein deckt und ein zweiter Wärmeerzeuger dazukommt, etwa ein Heizstab oder bei einer Hybridheizung ein Gaskessel. Er ist wichtig für die Auslegung: Eine Wärmepumpe muss nicht für den extremsten Tag allein dimensioniert sein, wenn diese Tage selten sind und sauber abgedeckt werden.

Der 55-Grad-Test: So prüfen Sie Ihr Haus selbst

Ob Ihre Heizkörper mit niedriger Vorlauftemperatur auskommen, können Sie in der nächsten Heizperiode selbst ausprobieren. Sie brauchen dafür nur Zugang zur Regelung Ihrer bestehenden Heizung, und bei Unsicherheit hilft Ihnen der Techniker bei der Wartung.

  • Warten Sie einige kalte Tage ab, am besten mit Außentemperaturen um den Gefrierpunkt oder darunter.
  • Stellen Sie die maximale Vorlauftemperatur oder die Heizkurve der vorhandenen Heizung so ein, dass sie höchstens 55 °C liefert.
  • Öffnen Sie alle Thermostatventile vollständig.
  • Beobachten Sie einige Tage, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen.

Werden alle Räume warm, ist Ihr Haus ein guter Kandidat für eine Wärmepumpe. Bleiben einzelne Räume kühl, liegt es oft an einem zu kleinen Heizkörper in genau diesem Raum. Das lässt sich gezielt beheben, ohne das ganze Haus umzubauen. Der Test ersetzt keine Heizlastberechnung, er ist aber ein guter erster Hinweis.

Was hilft, wenn die Heizkörper nicht reichen

Einzelne Heizkörper tauschen

Oft sind es zwei oder drei Heizkörper, die zu klein für eine niedrige Vorlauftemperatur sind, typischerweise im Bad, in Eckzimmern oder unter großen Fenstern. Ein größerer Heizkörper oder ein Modell mit eingebautem Lüfter kann dort die Vorlauftemperatur für das ganze Haus senken. Das kostet einen Bruchteil einer Fußbodenheizung.

Hydraulischer Abgleich

Beim hydraulischen Abgleich wird jeder Heizkörper so eingestellt, dass er genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Ohne Abgleich wird die Vorlauftemperatur oft nur deshalb hoch gestellt, damit der am schlechtesten versorgte Raum warm wird. Der Aufwand hängt von der Zahl der Heizkörper ab und davon, ob voreinstellbare Thermostatventile schon vorhanden sind.

Fußbodenheizung nachrüsten

Eine Fußbodenheizung arbeitet mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen und ist ideal für eine Wärmepumpe. Im Bestand lässt sie sich im Fräsverfahren nachrüsten, dabei werden Kanäle in den vorhandenen Estrich gefräst. Der Aufwand hängt von Fläche und Estrich ab. Sinnvoll ist das vor allem, wenn ohnehin renoviert wird.

Dämmung an den richtigen Stellen

Nicht jede Wärmepumpe braucht eine Komplettsanierung. Schon die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke und der Tausch einzelner schlechter Fenster senken die Heizlast spürbar. Bei Gründerzeitfassaden mit Stuck ist eine Außendämmung oft nicht möglich oder nicht erlaubt, hier helfen die anderen Maßnahmen.

Hochtemperatur-Wärmepumpe oder Hybrid?

Wenn sich die Vorlauftemperatur nicht unter 55 °C senken lässt, gibt es zwei Wege. Eine Wärmepumpe mit R290, also Propan, kann 70 bis 75 °C erreichen. Die Jahresarbeitszahl fällt dann niedriger aus, die Betriebskosten steigen entsprechend. Die zweite Möglichkeit ist eine Hybridheizung: Die Wärmepumpe übernimmt den Großteil des Jahres, ein Gas-Brennwertgerät springt an den wenigen sehr kalten Tagen ein. Für den KfW-Zuschuss muss die versorgte Fläche aber zu mindestens 65 Prozent erneuerbar beheizt werden, das muss bei einer Hybridlösung in der Planung nachgewiesen werden.

So prüfen wir Ihr Haus

Bevor wir eine Wärmepumpe anbieten, klären wir in einem Vor-Ort-Termin die Punkte, die über Effizienz und Kosten entscheiden:

  • Raumweise Heizlastberechnung auf Grundlage von Wandaufbau, Fenstern, Dach und Keller.
  • Aufnahme aller Heizkörper mit Bauart und Größe, daraus die nötige Vorlauftemperatur je Raum.
  • Prüfung, ob einzelne Heizkörper getauscht oder ergänzt werden sollten und ob ein hydraulischer Abgleich nötig ist.
  • Aufstellort für Innen- und Außengerät, Schallabstände und Leitungswege.
  • Warmwasserbedarf, Speichergröße und Anschluss an die vorhandene Installation.

Genau das prüfen wir beim kostenlosen Wärmepumpen-Check vor Ort. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare Empfehlung mit einer realistischen Jahresarbeitszahl. Wenn ein Haus aus unserer Sicht noch nicht bereit ist, sagen wir Ihnen, welche Maßnahme zuerst sinnvoll wäre.

Besonderheiten im Berliner Altbau

Im Berliner Gründerzeitaltbau kommen zwei Punkte hinzu. Erstens der Aufstellort: In engen Hinterhöfen muss die Schallprognose stimmen. Nach TA Lärm gelten nachts in reinen Wohngebieten 35 dB(A) und in allgemeinen Wohngebieten 40 dB(A) am Fenster des Nachbarn. Zweitens die Heizungsstruktur: Viele Wohnungen haben eine Gasetagenheizung. Eine Wärmepumpe für das ganze Haus setzt dann voraus, dass ein zentrales Heizungsnetz aufgebaut wird, was einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft braucht. Hohe Räume und große Fensterflächen erhöhen die Heizlast, dafür sind die alten gusseisernen Heizkörper oft großzügig dimensioniert.

Häufige Fragen

Oft ja. Entscheidend ist, ob die Heizkörper das Haus mit einer Vorlauftemperatur von etwa 55 °C oder weniger warm bekommen. Das lässt sich mit einer Heizlastberechnung und einem einfachen Test in der Heizperiode prüfen.

Fragen zu Heizung, Wärmepumpe oder Förderung?

CLIENI SHK berät Sie vor Ort in Berlin und Brandenburg und rechnet die Förderung mit Ihnen durch. Das verbindliche Angebot erhalten Sie nach dem Vor-Ort-Termin.

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