Ratgeber · 7 Min.

Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen: So kommen Sie auf realistische Werte

1. September 2026

Wer über eine Wärmepumpe nachdenkt, will wissen, was sie im Betrieb kostet. Die gute Nachricht: Den Stromverbrauch können Sie mit einer einfachen Formel selbst abschätzen, und die wichtigste Zahl dafür haben Sie schon, nämlich Ihren bisherigen Verbrauch an Gas oder Öl. Dieser Ratgeber zeigt die Rechnung Schritt für Schritt, rechnet zwei Beispiele durch und erklärt, welche Fehler zu zu optimistischen oder zu pessimistischen Ergebnissen führen.

Die kurze Antwort

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe ergibt sich aus dem Wärmebedarf des Hauses geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Braucht ein Haus 18.000 kWh Wärme im Jahr und erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,2, liegt der Stromverbrauch bei rund 5.600 kWh. Die Betriebskosten erhalten Sie, indem Sie diesen Wert mit dem Arbeitspreis Ihres Stromtarifs multiplizieren und den Grundpreis addieren.

Die Formel

Stromverbrauch in kWh = Wärmebedarf in kWh geteilt durch Jahresarbeitszahl.

Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem COP, der Leistungszahl im Datenblatt. Der COP wird unter festen Laborbedingungen gemessen, etwa bei einer bestimmten Außen- und Vorlauftemperatur. Die JAZ beschreibt dagegen den realen Betrieb über Sommer und Winter, inklusive Warmwasser. Für die Rechnung ist die JAZ die richtige Größe.

Schritt 1: Den Wärmebedarf ermitteln

Am einfachsten gehen Sie von Ihrem bisherigen Verbrauch aus. Nehmen Sie den Durchschnitt der letzten zwei bis drei Jahresabrechnungen, damit ein besonders milder oder kalter Winter das Ergebnis nicht verzerrt.

  • Gasheizung: Der Verbrauch steht auf der Gasrechnung bereits in kWh.
  • Ölheizung: Ein Liter Heizöl enthält rund 10 kWh. 2.000 Liter entsprechen also etwa 20.000 kWh.
  • Flüssiggas: Ein Liter enthält rund 6,5 kWh.

Dieser Brennstoffverbrauch ist noch nicht der Wärmebedarf, denn der alte Kessel hat Verluste. Multiplizieren Sie den Wert mit dem Nutzungsgrad der alten Anlage. Für einen Brennwertkessel sind etwa 0,9 realistisch, für einen älteren Niedertemperaturkessel eher 0,8 bis 0,85. Aus 20.000 kWh Gas werden so bei einem Nutzungsgrad von 0,9 rund 18.000 kWh Wärme.

Wenn Sie noch keine Verbrauchswerte haben, etwa nach einem Hauskauf, hilft die Heizlast als Ausgangspunkt. Die Heizlast ist die Wärmeleistung, die das Haus am kältesten Tag braucht. Als grobe Orientierung: saniert 60 bis 80 W/m², teilsaniert 80 bis 110 W/m², unsaniert 110 bis 150 W/m². Die Umrechnung auf einen Jahresverbrauch ist aufwendiger, dafür ist unser Wärmepumpen-Rechner gedacht.

Schritt 2: Die Jahresarbeitszahl einschätzen

Die JAZ hängt vor allem von der Wärmequelle und von der Vorlauftemperatur ab, also der Temperatur des Heizwassers, das zu den Heizkörpern fließt. Als Orientierung:

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe im Durchschnitt: 3,0 bis 4,0
  • Luft-Wasser im Altbau mit Heizkörpern: eher 2,8 bis 3,4
  • Luft-Wasser mit Fußbodenheizung: 3,5 bis 4,5
  • Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdwärme: 4,0 bis 5,0

Rechnen Sie im Zweifel mit dem unteren Wert. Eine vorsichtige Rechnung, die im Betrieb übertroffen wird, ist besser als eine optimistische, die enttäuscht.

Zwei Rechenbeispiele

Teilsaniertes Einfamilienhaus mit Heizkörpern

Ein Haus aus den 1970er Jahren in Berlin-Mariendorf, 140 m², Fenster erneuert, Dach gedämmt. Der Gasverbrauch lag im Mittel bei 22.000 kWh im Jahr, der alte Kessel war ein Niedertemperaturkessel mit einem angenommenen Nutzungsgrad von 0,85. Der Wärmebedarf liegt damit bei rund 18.700 kWh. Mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und einer JAZ von 3,0 ergibt das rund 6.200 kWh Strom im Jahr. Bei einer JAZ von 3,4 wären es rund 5.500 kWh.

Neueres Haus mit Fußbodenheizung

Ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 2005 in Falkensee, 130 m², Gasbrennwertkessel, Fußbodenheizung. Der Gasverbrauch lag bei 14.000 kWh, bei einem Nutzungsgrad von 0,9 ergibt das rund 12.600 kWh Wärme. Mit einer JAZ von 4,0 braucht die Wärmepumpe rund 3.150 kWh Strom im Jahr.

Die Beispiele zeigen, wie stark die Vorlauftemperatur den Verbrauch bestimmt. Im ersten Haus lohnt es sich, einzelne Heizkörper zu vergrößern und einen hydraulischen Abgleich zu machen, um die JAZ anzuheben.

Schritt 3: Von kWh zu Euro

Für die Betriebskosten multiplizieren Sie den Stromverbrauch mit dem Arbeitspreis Ihres Tarifs und addieren den Grundpreis.

Betriebskosten pro Jahr = Stromverbrauch in kWh mal Ihr Arbeitspreis in Euro je kWh plus Grundpreis pro Jahr. Für das erste Beispiel oben heißt das: 6.200 kWh mal Ihr Arbeitspreis plus Grundpreis. Den Arbeitspreis und den Grundpreis finden Sie auf Ihrer Stromrechnung oder im Tarifblatt Ihres Versorgers. Vergleichen Sie dabei verschiedene Angebote:

  • Wärmepumpen-Stromtarife: Viele Versorger bieten eigene Tarife für Wärmepumpen an, oft mit einem zweiten Zähler.
  • Steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG: Wenn der Netzbetreiber die Wärmepumpe in Ausnahmefällen drosseln darf, erhalten Sie reduzierte Netzentgelte. Die Heizung bleibt dabei in Betrieb, nur mit begrenzter Leistung.
  • Haushaltsstrom: Ohne separaten Tarif läuft die Wärmepumpe über Ihren normalen Zähler. Das ist einfacher, aber meist teurer.

Setzen Sie für den Vergleich mit der alten Heizung auch dort die vollen Kosten an, also Arbeitspreis, Grundpreis, die jährliche Wartung und die Kosten für den Schornsteinfeger. Bei einer neuen Gas- oder Ölheizung kommen künftig die Biobrennstoff-Quote nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz und der steigende CO2-Preis hinzu.

Was den Verbrauch senkt

Der größte Hebel ist die Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger verbessert die Jahresarbeitszahl, deshalb lohnen sich Maßnahmen, die das Haus mit niedrigeren Temperaturen warm bekommen:

  • Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die richtige Wassermenge erhält und die Temperatur nicht für einen einzelnen Raum hochgestellt werden muss.
  • Größere oder zusätzliche Heizkörper in kritischen Räumen senken die nötige Vorlauftemperatur für das ganze Haus.
  • Eine sauber eingestellte Heizkurve verhindert, dass die Wärmepumpe mehr Wärme liefert, als das Haus braucht.
  • Eine vorhandene Photovoltaikanlage deckt einen Teil des Strombedarfs, vor allem in den Übergangszeiten. Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten braucht, ist der Solarertrag gering.

Typische Fehler bei der Rechnung

  • COP statt JAZ: Der COP aus dem Datenblatt liegt oft über dem realen Jahreswert. Wer damit rechnet, unterschätzt den Verbrauch.
  • Warmwasser vergessen: Die Warmwasserbereitung braucht höhere Temperaturen und senkt die JAZ. Sie gehört in die Rechnung.
  • Heizstab unterschätzt: Ist die Wärmepumpe zu klein ausgelegt, springt an kalten Tagen der elektrische Heizstab an, der aus einer kWh Strom nur eine kWh Wärme macht.
  • Einzelnes Jahr als Grundlage: Ein milder Winter lässt den Verbrauch zu niedrig erscheinen.
  • Nutzungsgrad der alten Heizung ignoriert: Wer den Gasverbrauch eins zu eins als Wärmebedarf nimmt, rechnet den Strombedarf zu hoch.

Wie wir rechnen

Für ein Angebot berechnen wir die Heizlast raumweise, prüfen die nötige Vorlauftemperatur und legen die Wärmepumpe danach aus. Daraus ergibt sich eine realistische JAZ für Ihr Haus. Was die Anlage kostet, hängt von Heizlast, Wärmequelle, Aufstellort und dem Zustand der Heizkörper ab. Das verbindliche Angebot bekommen Sie nach dem kostenlosen Wärmepumpen-Check vor Ort, den Förderantrag aus einer Hand gibt es bei Auftrag inklusive. Mit unserem Wärmepumpen-Rechner können Sie vorher selbst eine erste Schätzung machen.

Häufige Fragen

Das hängt vom Wärmebedarf und der Jahresarbeitszahl ab. Ein Haus mit 18.000 kWh Wärmebedarf braucht bei einer JAZ von 3,2 rund 5.600 kWh Strom im Jahr, bei einer JAZ von 4,0 rund 4.500 kWh.

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